#Latzel: Ratschläge für Prediger

Der bremer Pfarrer Olaf Latzel gibt auf einer Predigerkonferenz Ratschläge für Prediger.
Seine Aussagen lohnen sich für alle Christen zu hören, ob sie predigen, in der Gemeinde mitarbeiten oder auch nicht.

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6 Kommentare zu „#Latzel: Ratschläge für Prediger

  1. Mir fällt es sehr schwer, diese Ratschläge von einem Pfarrer wie Olaf Latzel ernst zu nehmen. Zum einen – als Lutherischer Pfarrer, der er ist – sollte er wissen, dass der Schatz der Kirche nicht „die Bibel“ oder „das Wort Gottes“ ist, sondern „das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes“ ist (These 62).
    Und hier ist der Punkt: ich will gar keinen Keil treiben zwischen Wort Gottes in der Schrift und Wort Gottes im Christusgeschehen. Aber für Hrn. Latzel scheint das Wort Gottes in erster Linie im negativen Bekenntnis zu liegen – nämlich den Dingen, die abzulehnen sind (EKD, Muslime, usw).
    Schon grundsätzlich scheint mir der Kausalzusammenhang, den er aufstellt – Kirchenaustritte, weil die Kirche „liberal“ geworden ist – viel zu einfach und viel zu wenig soziologisch begründet. Man soll ja mit Umkehrschlüssen vorsichtig sein, aber er wird ja wohl kaum behaupten, dass diese Austritte in Bremen alle evangelikale Christen waren, denen das Wort Gottes zu wenig gepredigt wurde.
    Tim Keller beobachtet für die USA etwas, das sicher für Europa nicht minder wahr ist: dass nämlich die starken Austrittszahlen viel mehr für eine Fragmentisierung der Gesellschaft sprechen. Die gesellschaftliche „Mitte“, die urwüchsig durch die „Volkskirche“ als solche repräsentiert war, existiert immer weniger, die abgeschotteten Weltanschauungssysteme nehmen zu. Das sind, neben dem weltweit erstarkenden Evangelikalismus pfinstkirchlich und charismatischer Prägung sicher säkulare Atheisten/Agnostiker, politisch stark links und recht orientierte Parteien und „Aufschwünge“, und manche esoterischen Bewegungen. Diesem gesellschaftlichen Trend würde die Kirche auch nicht entgegenlaufen, wenn sie „das harte Wort“ predigte. Olaf Latzels Gemeinde ist dafür ja Paradebeispiel: von Freunden aus Bremen habe ich gehört, dass seine Gemeinde vor allem durch solche Zuwachs findet, die von weit anfahren, weil sie von ihrer Heimatgemeinde frustriert sind – Fragmentisierung in Reinform.
    Vor allem weil die Hr. Latzel für die Predigt, die ihn über Nacht deutschlandweit berühmt gemacht hat, nie auch nur annähernd entschuldigt hat. Aber es ist sicher nicht Wort Gottes, Buddha als „dicken, alten, fetten Herrn“ zu bezeichnen, eines der höchsten Feste der Muslime als „all diese[n] Blödsinn“.
    Es ist eine Sache, als Prophet Gottes im alten Testament im Umgang mit Baalspredigern zu agieren, und ein anderes, als Pfarrer einer Kirche in Bremen zu pöbeln und jedes zivilisierte Verhalten vermissen zu lassen.

    Ich lass das hier einfach so stehen, weil es mich doch sehr wundert, wie dieser Pfarrer so einen Rückhalt unter konservativen Christen genießen darf.

    Liebe Grüße von einem Pastor,
    der auch versucht, das Wort Gottes recht zu zerteilen jede Woche,
    und die Augen der Menschen vor mir auf „das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes“ zu lenken, nicht auf die Fehler meiner Mitmenschen.

    Marcus

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    1. Danke Marcus für deinen ehrliche Antwort!
      Mir ist bewusst, dass seine Rede damals viel Aufsehen erregt hat und dass manch Formulierungen die er verwendete, ich nicht gebrauchen würde (interessant ist dennoch auch der Kontext, warum er die Rede hielt – erzählt er an anderer Stelle).
      Dennoch finde ich diese jetzigen Ratschläge gut und hilfreich.

      Von deine redliche Motivation und Arbeit als Pastor bin ich fest überzeugt. 🙂

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  2. Ich habe längere Zeit recht aufmerksam verfolgt, was Pfarrer Latzel in seinen Predigten und öffentlichen Stellungnahmen hören ließ.Und manchmal habe ich das Gefühl, dass er die Deutlichkeit und Eindeutigkeit dessen, was er zu sagen hat, etwas überzieht (sich vielleicht sogar etwas darin gefällt?).
    Sicher hat er in seiner grundsätzlichen Kritik an der evangelischen Kirche recht – und die muss auch geäußert werden. Aber bereits in dem kurzen Videoausschnitt berührt es mich merkwürdig, wenn er im Bezug auf die biblische Tageslese vom „Muss“ spricht, mindestens ein Kapitel Altes Testament und ein Kapitel Neues Testament zu lesen. Ich persönlich tue das, und könnte das auch weiterempfehlen, aber ich käme nie auf den Gedanken, anderen quasi vorzuschreiben, bei Androhung geistlicher Unterernährung gleiches tun zu MÜSSEN. Das ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie mit der Überzeichung berechtigter Kritik die eigene Glaubwürdigkeit etwas auf der Strecke bleiben kann.

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  3. Ich bin kein Latzel-Fan, aber Übertreibung und Polemik muss man aushalten. Wir halten inzwischen auch bibelkritische Ansätze in unserer Gemeinden aus…ich würde gewiss vieles etwas anders formulieren als er. Trotzdem ist es immer zu begrüßen, wenn Theologen die Bibel als für uns heute gültiges Wort verstehen wollen und um eine realistische Anwendung für unsere Zeit ringen. Er ist demnach auf unserer Seite und manchen Patzer muss man eben ertragen. Hat mit Barmherzigkeit zu tun 😃

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  4. Der Artikel ist schon etwas älter, aber ich möchte mich trotzdem kurz an der Diskussion beteiligen. Ich habe übrigens über die Google-Suche „Ratschläge für einen Prediger“ hier her gefunden. Ich kenne die „berühmte“ Predigt von Olaf Latzel, mein Duktus wäre es auch nicht. Man muss ihm aber sicher zugestehen, dass er wenigstens versucht eine Gegenposition einzunehmen. Die bunte Vielfalt ist mittlerweile recht einfarbig geworden und Bunt ist das neue Schwarz oder Weiß. Aktuell war Olaf Latzel in Chemnitz zu Gast. Vom 10.02. – 13.02.19 legte er unter dem Thema „Schwierige Texte der Bibel?!“ Teile des AT aus. Ich war an einem Abend zu Gast und habe die anderen Abende im Livestream verfolgt. Soweit alles okay, er hat sich mMn. etwas zurückgenommen. Seine Anreden sind nicht mehr so scharf, an Klarheit besteht aber dabei kein Mangel. Was mich wirklich schockiert hat, war die Beantwortung der Hörerfragen am letzten Abend. Leider bekomme ich die Frage gerade nicht ganz zusammen. Es ging um Berufung und Wiedergeburt…Eine seiner Antworten war:(inhaltlich) „Kein geschiedener Pfarrer würde in seinem Verantwortungsbereich die Kanzel betreten dürfen. Dabei ist es egal, ob er an der Scheidung Schuld ist oder nicht.“ Das hat gesessen, obwohl ich nicht geschieden bin. Wenn wir danach verkehren, wären die Kanzeln seltsam leer. Ich möchte auch nicht nur „Heilige“ auf den Kanzeln haben, sondern Menschen, Menschen aus unserer Mitte, die wissen, wie es mir geht und trotzdem den Weg ans Kreuz aufzeigen, weil sie ihn selber gegangen sind und immer wieder gehen.

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